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essen im jetzt

die tatsache, dass wir zu irgendeiner zeit lernten nahrung zu konservieren, hat uns wahrscheinlich erst dazu gebracht, dass wir heute - in diesen breitengraden lebend - darüber nachdenken können wie sinnvoll es ist, quasi nur noch konservierte nahrung zu sich zu nehmen. der tod wird oft als das gegenstück zum leben betrachtet auch wenn er in wirklichkeit nur das gegenstück zur geburt ist. das eigentliche gegenstück zum leben ist die konservierung, das anhalten des lebensflusses, der stetigen wandel bedeutet. irgendwie wurden wir aber von kind auf darauf programmiert - von ebenfalls mal als kind programmierten erwachsenen - an allem festzuhalten und einen großen teil unserer lebenskraft in das anhaften und konservieren zu stecken. lebenslang in job und partnerschaft (in den meisten fällen unmöglich, da ein partner früher gehen wird), versicherungen, verträge, planungen, ich denke ihr wisst, wovon ich spreche. anstatt die reise zu machen, treffen wir nur vorkehrungen. lebendig sein heisst sich öffnen für den wandel oder um es mit hilde domins worten zu sagen:

nicht müde werden
sondern dem wunder leise
wie einem vogel
die hand hinhalten

so stellen durch hitze konservierte nahrungsmittel das gegenteil von lebensmitteln dar. sie waren in der vergangenheit reif und genussfähig, konserviert sind sie nur noch als notinformationen zu gebrauchen, die das sterben hinauszögern, nicht aber die freude am leben vermitteln können. diese nahrungsmittel machen uns voll aber nicht satt. das führt dazu, dass man oft kurz nach dem essen schon an das nächste essen denken muss. ein hin und her zwischen vergangenheit und zukunft.

wenn man frisches essen im jetzt, am besten direkt vom strauch, baum oder der wiese genießen kann, nährt uns das auf so vielen ebenen. ich liebe diese verbindung mit der natur, die erdung und das erleben der fülle. seitdem ich mich mit wildkräutern beschäftige, habe ich keine angst mehr vor geschlossenen supermärkten. zugegebener maßen würde mir im winter die süße der südseefrüchte genauso fehlen wie mir jetzt schon die wärme der sonne fehlt, aber ich empfinde den gedanken nicht mehr als lebensbedrohlich. zudem gibt es auch hier kleine wilde winterfrüchte zu entdecken wie zum beispiel die mispel, die super süße eibenfrucht (kern bitte ausspucken, der ist giftig) und die wunderbar süß-säuerliche hagebutte. nichts schmeckt so himmlisch wie essen im jetzt.

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